Von Professor, Allen Campbell - University of St. Francis USA
Donald Woods wurde 1933 in Elliotdale, Transkei, Südafrika, unweit von Nelson Mandelas Geburtsort geboren. Als Südafrikaner in fünfter Generation wuchs er wie die meisten Weißen seiner Generation als Befürworter der Apartheid auf. Wie die meisten weißen Südafrikaner begann sein Leben inmitten von Reichtum und Privilegierung und ohne jegliches Bewusstsein für ihren überall herrschenden Rassismus.
Woods kam aus Transkei, einem abgelegenen Teil Südafrikas. Er sprach englisch und isiXhosa. Nachdem er sich 1950 eine Parlamentsdebatte angehört hatte, änderten sich seine konservativen Ansichten wegen dem, was er „die große schamlose Lüge der Apartheid“ nannte. Ursprünglich ein Jurastudent, wechselte er später zum Journalismus.
Anfangs sah er Schwarze als zweitklassige Menschen an und „aktzeptierte ohne Weiteres die allgemeine weiße Haltung, dass Farbe und Rasse die Kluft zwischen den Kulturen bestimmen.“ Als Sohn eines Händlers, wuchs Donald zwischen schwarzen Afrikanern auf und sprach fließend isiXhosa. Woods studierte Jura an der Universität Kapstadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte seine Einstellung gegenüber Schwarzen sich bedeutend verändert. Schnell lernte er etwas über den Rassismus, der die weiße südafrikanische Gesellschaft durchsetzte, und wurde ein liberaler Sprecher gegen die Apartheid. Nach dem Abschluss kandidierte er über eine antirassistische Liste für einen Sitz im südafrikanischen Parlament, verlor allerdings deutlich. Anschließend wurde er zuerst Journalist und 1965 Redakteur des Daily Dispatch.
Er und seine Familie lebten in Südafrika bis sie 1977 aus Angst um ihr Leben flohen. Richard Attenboroughs preisgekrönter Film „Schrei nach Freiheit“ (engl. Originaltitel: „Cry Freedom“) aus dem Jahr 1987 zeichnet Woods Wandlung zu einem unerschütterlichen Kämpfer gegen die Apartheid nach. 1973 hatte Woods ein Erlebnis, welches den Wendepunkt in seinem Leben hin zu einem besseren Verständnis der Seite der schwarzen Afrikaner bedeutete: Er traf den schwarzen Aktivisten Stephen Biko. Sie wurden enge Freunde. Biko war der Begründer der Black Consciousness Bewegung (Schwarzes Bewusstsein) und kämpfte gegen die Unterstützer der Apartheid. Auch weißen Liberalen gegenüber war er äußerst misstrauisch.
Biko glaubte, dass die schwarzen Südafrikaner ihre Freiheit und Unabhängigkeit ohne das Zutun der Weißen gewinnen müssten. Er fürchtete, dass weiße Liberale, die schwarzafrikanische Entwicklung behindern könnten. Ihm war klar, dass die Schwarzen ein doppeltes Problem hatten: den offenen und den versteckten Rassismus. Es ist leicht die offenen Formen von Rassismus zu sehen: Morde, Folter, polizeiliche Brutalität, Diskriminierung. Mit verstecktem Rassismus umzugehen, ist hingegen schwieriger. Diese versteckte Form wird durch Weiße personifiziert, die etwas für die schwarzen Südafrikaner tun wollen.
Früher wurde dieses Konzept „Die Bürde des weißen Mannes“ genannt. Der Bürde des weißen Mannes oder „noblesse oblige“ (es klingt besser auf französisch) liegt der Gedanke zugrunde, dass die Weißen die moralische Pflicht haben, den ungebildeten Wilden, die auf dem „dunklen Kontinent“ hausen, Zivilisation, Kultur und das Christentum zu bringen. Man muss zwar zugeben, dass viele, insbesondere in jüngerer Zeit, nicht diese Terminologie benutzten, dennoch ist das der Idee zugrunde liegende Konzept das von weißer Überlegenheit gegenüber Schwarzen.

Man muss Woods hoch anrechnen, dass er sich gegen Rassismus aussprach und dennoch nicht versuchte die Selbstdarstellung der Schwarzen zu dominieren oder zu kontrollieren. Die schwarzen Südafrikaner mussten zwischen den Rassisten, die sie weiter unterdrücken wollten, und den wenigen Weißen, die ihnen helfen wollten, vorsichtig ihren Weg finden. In gewissem Sinne waren die weißen Liberalen für die Befreiungsbewegung die Gefährlicheren, weil sie für die Schwarzen das tun wollten, was die diese selbst tun mussten, und Biko wusste das. Und dennoch ist es den beiden gelungen, sich gegenseitig als gleichberechtigte Partner zu sehen.
Als Stephen Biko im September 1977 von der Polizei zu Tode geprügelt wurde, waren es die von Woods aufgenommenen Bilder, die der Welt die Menschenrechtsverletzungen der weißen Minderheitsregierung in Südafrika zeigten. Diese Bilder von Bikos brutal zusammengeschlagener Leiche zeigten dem Rest der Welt die Verdorbenheit der Apartheit, und setzten den Strudel der Abscheu gegenüber dieser Regierung und ihrer Politik in Gang. Woods Fotos erzwangen außerdem eine gerichtliche Untersuchung von Bikos Tod. Zur Vergeltung stellte die Regierung Woods allerdings unter Hausarrest und es wurde ihm verboten, mit mehr als einer Person auf einmal zu sprechen. Interessanterweise war Biko vor seinem Tod die gleiche richterliche Verfügung auferlegt worden.
Woods floh als Priester verkleidet aus Südafrika und lebte 13 Jahre lang in England. Schließlich kehrte er im August 1990 zum ersten Mal seit 1977 nach Südafrika zurück. Seine letzte Reise nach Südafrika machte er, um die Hochzeit von Steve Bikos Sohn, Nkosinathi, zu besuchen. Woods starb am 19. August 2001 im Alter von 67 Jahren an Krebs. Nkosinathi Biko sagte über Woods: „Donalds Leben sollte insbesondere für die weiße Bevölkerung Südafrikas eine Lektion sein...dass wir alle handeln können, um etwas zu verändern.“ Er fügte hinzu, dass schwarze Afrikaner einen Namen für Donald Woods hätten: „Sie nannten ihn Zweliyanyikima - der, der die Erde bewegt“. Und Woods hat wirklich die Erde bewegt, insbesondere den Boden, auf dem die Apartheid errichtet wurde.
Woods lebte lange genug, um als geehrter Mann in sein Heimatland zurückzukehren, nachdem die Apartheid gescheitert war. Es ist interessant, dass die schwarzen Südafrikaner die Weißen heute nicht auf die gleiche Art behandeln, wie sie selbst so viele Jahre lang behandelt worden sind. Diese Tatsache wirft die Frage auf, wer in Wirklichkeit die Wilden und wer die Zivilisierten waren. Die Antwort dürfte eine demütigende Einsicht für die Weißen sein.
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